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Fanny Hensel: Adagio für Violine und Klavier

Konzert V – Sonntag, 01.10.2017, 17:00 Uhr, Theater in Kempten
Fanny Hensel (1805-1847): Adagio für Violine und Klavier

»Madame Hensel war eine unvergleichbare Musikerin, eine ausgezeichnete Pianistin, eine geistig überlegene Frau; sie war klein, fast schmächtig, aber der feurige Blick aus tiefen Augen verriet ungewöhnliche Energie. Als Komponistin war sie von seltener Begabung …« (Charles Gounod)

Fanny Hensel (Foto: &copy Wikimedia public domain)Fanny Hensel, zumeist mit dem Zusatz ihres Geburtsnamens Hensel-Mendelssohn genannt, kann, ähnlich der Gattin Robert Schumanns, als Paradebeispiel gelten für die zeitbedingten Hürden, die selbst so hochgebildeten und in kulturell bestens vernetzten Komponisten im Wege standen, wenn sie weiblichen Geschlechts waren. »Die Musik wird für ihn [Felix] vielleicht Beruf, während sie für Dich stets nur Zierde, niemals Grundbasis Deines Seins und Tuns werden kann und soll …« schrieb selbst ihr Vater, der kunstsinnige Bankier Abraham Mendelssohn an seine 14-jährige Tochter Fanny. Diese Rollenverteilung hatte Folgen. Denn wegen des dadurch weitgehend verwehrten Zugangs zur Öffentlichkeit eignete sie sich die Gattungen an, die ihr qua Geschlecht zugewiesen wurden, hauptsächlich Lieder und kleinere Stücke, die sie jedoch mit dem ihr eigenem Talent weit über den salonhaften Rahmen üblicher Hausmusik hinaus auch zu Ausflügen in die komplexere Welt der professionellen Komposition nutzte. Die Befähigung dazu hatte sie durch die gleichermaßen gründliche Ausbildung wie ihr Bruder Felix erworben.

Allein die Aufführung in den quasi halböffentlichen Sonntagsmusiken der Familien Mendelssohn und später, nach ihrer Verheiratung, Hensel vor geladenem Publikum machten Fanny Hensels Werke einem kleineren Kreis von Musikliebhabern bekannt; ein Weiteres besorgten gelegentliche Veröffentlichungen unter dem Namen von Bruder Felix, der die Stücke seiner Schwester außerordentlich schätzte. Diese Art des Wirkens quasi im Verborgenen macht verständlich, warum größere und komplexere Werke erst in den späteren Jahren entstehen konnten. Dass das 17-bändige Musiklexikon Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG) in seiner Ausgabe noch 1976 zu Fanny Hensel geschrieben hat: »… ihr kompositorisches Schaffen, das über 400 einzelne Stücke umfasst, ist bisher noch nicht eingehender untersucht worden«, ist symptomatisch für eine Sichtweise, die Komponistinnen bis in unsere Tage weitgehend ausgegrenzt hat.

Das Adagio, ein kurzes Variationenstück aus dem frühen Jahr 1823 mit einem Beginn, der an ähnliche Eingänge Robert Schumanns erinnern könnte, fast ein romantisches Notturno, trägt liedhafte, bisweilen chromatisch anmutende Züge.

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