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Grażyna Bacewicz: Klavierquintett Nr. 1

Konzert V – Sonntag, 01.10.2017, 17:00 Uhr, Theater in Kempten
Grażyna Bacewicz (1909-1969): Klavierquintett Nr. 1 (1952)

Grażyna Bacewicz (Foto: &copy Wikimedia public domain)Als Tochter eines Exillitauers und einer adeligen polnischen Mutter in Łódź geboren, studierte Grażyna Bacewicz zunächst in ihrer Heimatstadt Violine und Klavier, später Komposition in Warschau und vervollkommnete sich anschließend in Paris, unterstützt durch ein Stipendium des Pianisten (und zeitweiligen Staatspräsidenten Polens) Jan Paderewski bei der berühmten Komponistenmacherin Nadia Boulanger und dem berühmten Geiger Carl Flesch. Nach bedrückenden Kriegsjahren in Warschau (der Warschauer Aufstand inklusive) und nicht minder bedrückenden Jahren unter den Bevormundungen der kommunistischen Kulturpolitik gab sie in den 1950er Jahren ihre bis dahin ausgeübte Tätigkeit als konzertierende Instrumentalistin auf und konzentrierte sich zunehmend auf ihre kompositorische Arbeit. Die in jenen Jahren zunehmende Lockerung der Zensur und später die Übernahme der Vizepräsidentschaft des Polnischen Komponistenverbands ermöglichten ihr intensive Kontakte zu der bis dahin nur erschwert zugänglichen Musikentwicklung im Westen mit einschlägigen Spuren in ihrem eigenen, riesigen Gesamtwerk von über zweihundert Werknummern. Für die Verbreitung der polnischen Musik im übrigen Europa konnte sie sich dabei große Verdienste erwerben.

Ausgehend von einer neoklassizistisch geprägten Phase aus ihrer Zeit bei Nadia Boulanger in Paris, entwickelte Grażyna Bacewicz behutsam und ohne krasse Schnitte ihren einmal als »präzis-unterkühlt« bezeichneten Stil, »der die Expressivität nicht offen zur Schau trägt« (Eva Rieger) in Richtung einer eigenständigen, mehr klangfarblich orientierten Tonsprache.

Das 1. Klavierquintett aus dem Jahr 1952 gehört zu den meistgespielten Werken von Grażyna Bacewicz und hat sich einen bescheidenen aber beständigen Platz in den Repertoires erobert. Es ist geprägt von einer zeitgenössischen Tonsprache, doch lassen die oft erregten Dialoge des Klaviers mit den Streichern auch emotionale Anklänge nicht fehlen. Zu einer Einspielung des Werks, das den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhalten hat, hat Ingeborg Allihn angemerkt: »Außerordentlich sensibel spüren die Interpreten dem raffinierten Klangfarbenspiel nach, betonen das Spannungsfeld zwischen den motorisch pulsierenden Rhythmen und expressiven Kantilenen und verdeutlichen den gelungenen Versuch Bacewiczs, klassische Formverläufe und Kompositionstechniken in eine moderne Musiksprache zu integrieren. «

Und als sich 2012 der Pianist Krystian Zimerman mit dem Hagen Quartett des Quintetts in der Kölner Philharmonie angenommen hat, war von Gerhard Anders zu lesen: »… ein Werk, das in seinen äußeren Formen der klassisch-romantischen Tradition entspricht, im Inneren jedoch von sehr persönlicher Energie angetrieben ist. Der erste Satz lässt sich im weitesten Sinne als Sonatenhauptsatz mit langsamer Einleitung charakterisieren. Weit wichtiger jedoch als die Erfüllung eines abstrakten formalen Rahmens erscheint jene kontrastreiche, harmonisch frei atmende, motivisch immerfort bewegte Landschaft, die gelegentlich Einflüsse Bartóks, Szymanowskis und französischer Komponisten durchschimmern lässt, insgesamt jedoch die ureigene Landschaft dieser Komponistin ist. Gleiches gilt für das folgende rasante Scherzo – eine stilisierte Variante des polnischen Volkstanzes Oberek, dem Grażyna Bacewicz besonders zugetan war –, ebenso für das schwerblütig-düster anhebende Grave und schließlich für das Con passione überschriebene Finale, dessen Schlusswendung wie ein plötzlicher Ausbruch aus dem latenten c-Moll des übrigen Satzes anmutet.«

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