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Johanna Senfter: Trio op. 103 für Klarinette, Horn und Klavier

Konzert III – Freitag, 29.09.2017, 20:00 Uhr, Theater in Kempten
Johanna Senfter (1879-1961): Trio op. 103 für Klarinette, Horn und Klavier

Johanna Senfter»Ihre Werke zeugen von großer Ernsthaftigkeit und emotionaler Kraft.« Jürgen Schaarwächter hat mit dieser Feststellung (ausnahmsweise ohne den generösen Hinweis auf die »erstaunliche« Tatsache, dass dieses Lob einer Frau gelte) deutlich gemacht, welche Musikschätze in Vergessenheit geraten sind, wohl hauptsächlich wegen der Geschlechterfrage. »Wäre ich keine Frau, hätte ich’s leichter«, erkannte Johanna Senfter selbst ihre Situation. Dabei hatte sie das Glück, mit dem Hintergrund einer wohlhabenden und aufgeschlossenen Familie aus Oppenheim früh am Hoch’schen Konservatorium (in Frankfurt) ihren Neigungen nachgehen zu können. Nach Abschluss ihrer Kompositionsstudien nahm sie noch Privatunterricht bei Max Reger, mit dem sie bis zu dessen Tod in Freundschaft verbunden blieb.

Ihr nahezu alle Gattungen umfassendes Gesamtwerk (134 Werknummern, dazu eine Menge Stücke ohne Opuszahl) ist stark von ihrem verehrten Lehrer Reger geprägt. Wie dieser blieb sie bis zuletzt tonal, wagte sich aber, wie dieser, mit ihrer modulationsreichen Tonsprache immer wieder an die Grenzen der Tonalität. Schon zu Lebzeiten zurückgezogen lebend, geriet sie nach ihrem Tod völlig in Vergessenheit. Das konnte auch das Urteil Max Regers nicht verhindern, der 1908 an Johanna Senfters Vater von »der außerordentlichen kompositorischen Begabung Ihrer Frl. Tochter« schwärmte. Der Bayreuther Komponist Hans Fleischer, der engste Vertraute von Johanna Senfter und selbst ein paar Jahre ihr Kompositionsschüler in Oppenheim, hat wohl aus Altersgründen sein Engagement für eine bessere Präsenz aufgegeben. Nur die wenigsten Werke Johanna Senfters sind veröffentlicht. Vieles aus dem Nachlass, der an der Musikhochschule in Köln liegt, ist noch gar nicht erschlossen. Inzwischen sind einige Werke eingespielt worden (mehrere Sonaten, Klavierwerke, etwas Orgelmusik und eine ausladende Sinfonie), jedoch sind die meisten dieser Tonträger nicht mehr am Markt erhältlich. Auch in speziellen Archiven für Frauenmusik kann man Aufnahmen von Johanna Senfter finden. Da befindet sich der Rezensent zusammen mit dem Publikum auf Entdeckungsreise.

Die Partitur zeigt eine meisterhafte kontrapunktische Arbeit und eine modulationsreiche Harmonik – beides Ergebnisse der engen Verbundenheit mit Johanna Senfters Lehrer Max Reger. Ein mehr lyrisch als heiter (Senfters Bezeichnung) angelegter erster Satz kontrastiert zum etwas düsteren Charakter im Mittelsatz. Eine aufgehellte Stimmung im Finalsatz, der als Klammer thematisches Material des ersten Satzes wieder aufnimmt, führt zu einem effektvollen Abschluss.

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