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Giorgio Federico Ghedini: Concerto a cinque

Konzert II – Donnerstag, 27.09.2018, 20:00 Uhr, Theater in Kempten
Giorgio Federico Ghedini (1892-1965): »Concerto a cinque« (1932) für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Klavier

Giorgio Federico Ghedini (Foto Wikipedia, gemeinfrei)Er war der Lehrer von Claudio Abbado und Luciano Berio. Der aus dem piemontesischen Cuneo stammende Giorgio Federico Ghedini hatte in Turin Orgel, Klavier und Cello sowie in Bologna bei Marco Enrico Bossi Komposition studiert. Von 1918 bis 1962 war er in Turin, Parma und ab 1941 in Mailand einer der beliebtesten Kompositionslehrer Italiens. Dem Mailänder Konservatorium stand er zuletzt ein Jahrzehnt als Direktor vor. Als Komponist war er zunächst von Ravel beeinflusst, dessen farbige Kunst der Instrumentation er auch später weiter verfolgte. Im Zentrum seines Werks steht allerdings die intensive Beschäftigung mit Musik zwischen Monteverdi und Vivaldi. Barocke Formen verknüpfte er als typischer, wenn auch etwas jüngerer Vertreter der »Generazione dell’ottanta« eigenwillig mit Techniken des 20. Jahrhunderts.
Ghedini schrieb ein Dutzend Opern, darunter 1949 einen mit Benjamin Britten konkurrenzierenden »Billy Budd«, Bühnenmusiken, geistliche Stücke, eine einzige Symphonie, viele Solokonzerte, Kammermusik und 1935 die Filmmusik zu »Don Bosco«. Heute ist das beeindruckende Œuvre Ghedinis, für das sich Dirigenten wie Victor de Sabata und Sergiu Celibidache einsetzten, nahezu vergessen. Sein künstlerische Credo: »Es ist ein unvorstellbares Mysterium: die Erschaffung eines Kunstwerks, ausgehend von der einfachen melodischen Linie, die die musikalische Essenz ist … Melodie ist alles. Harmonie ist wie die Flasche für den Wein, der Rahmen für das Gemälde. Auch in der Architektur braucht es zuerst einmal die Zeichnung … In meinem Komponierzimmer stört mich aller Luxus. Ein zu gutes Klavier lenkt mich ab durch die Sinnlichkeit seines Klanges. Ein mittelmäßiges Instrument befeuert meine Vorstellungskraft. Äußere Einfachheit entfacht innere Komplexität … Unmittelbare äußere Stimulation (zum Beispiel durch eine Landschaft) ist nutzlos. Bilder, die tief im Unbewussten verborgen lagen, fliehen nach einem langen, anstrengenden Prozess auf unerklärliche Weise plötzlich ins Licht, in musikalischer Form. Diese mysteriöse Brutzeit kann jahrelang dauern … Fazit: Mache nie die Kunst zur bequemen Karriere. Musik ist Erfindung, immer; sie ist getrennt von der alltäglichen Realität, ein Traum, eine poetische Vision. Du musst Deine eigene Kunst lieben, welches Opfer auch immer Du dafür bringst.«

»Concerto a cinque« (1932) für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Klavier

Das Concerto a cinque, 1932 beim Traditionsverlag Ricordi gedruckt, vereint all die Vorzüge des Komponisten. Das Bläserquartett und das Klavier folgen dem Schema eines barocken Concerto grosso, übertragen die alte Form jedoch in eine feinsinnige, subtil differenzierende Klangsprache. Auf den vitalen Kopfsatz folgt ein nachdenkliches, dezent expressives Andante, in welchem nur zwei der Bläser, die helle Flöte und das sonore Fagott, dem brillanten Klaviersatz originelle Farben beisteuern. Alle vier Instrumente vereinen sich wieder im dritten Satz, einem hurtigen Allegretto mit etlichen harmonischen Überraschungen. Alle vier beginnen auch den vierten, dessen Bezeichnung »Tempo del precedente« einen Doppelsinn ergibt. Nicht nur im Ablauf des Stücks, auch historisch betrachtet spielt Ghedini hier mit Tempi »von früher«. Nach einer Art Ouvertüre übernimmt das Klavier die Stimmung allein, um sich alsbald mit der Klarinette zu einem kurzen Duettino zusammen zu finden und den kurzen Satz schließlich solistisch zu beenden. Den Kehraus macht, in ganz klassischer Art, ein in der Tat feuriges, virtuoses Allegretto des gesamten Ensembles.

Gottfried Franz Kasparek

 

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