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Achille Longo: Klavierquintett

Konzert II – Donnerstag, 27.09.2018, 20:00 Uhr, Theater in Kempten
Achille Longo (1900-1954): Klavierquintett (1934)

Der Neapolitaner Achille Longo war der Sohn jenes Musikwissenschaftlers und Komponisten Alessandro Longo, der als erster die 544 Klaviersonaten Domenico Scarlattis geordnet und nummeriert hat. Der Sohn trat als Tondichter in die Fußstapfen des Vaters (übrigens auch in die des gleichnamigen Großvaters), wurde ein international gefeierter Organist und schließlich ein bedeutender Lehrer am Konservatorium seiner Heimatstadt. Er machte einen Bogen um das Musiktheater, schrieb aber eine Reihe erfolgreicher Filmmusiken. Im Zentrum seines Schaffens steht die Instrumentalmusik. Hatte der Vater sich als kreativer Musiker vor allem auf deutsche Vorbilder berufen, die er mit der italienischen Vokaltradition zu verbinden suchte, so sind im Oeuvre des Sohns starke Einflüsse der französischen Romantik feststellbar – und auch der Jazz spielt eine Rolle. Heute sind alle drei Komponisten der Familie Longo nahezu vergessen. Was zumindest im Falle Achille des Jüngeren, dem diese Betrachtung gilt, ungerecht ist. Was allerdings auch ein wenig mit der Tatsache zu tun hat, dass viele seiner größten Erfolge in die Zeit des Mussolini-Faschismus fallen. Dem steht entgegen, dass er offenbar eine gewisse Distanz zum Regime wahrte und als Filmkomponist für den großen, kritischen Volkskomiker und -dichter Eduardo de Filippo arbeitete.

Klavierquintett (1934)

Achille Longos Klavierquintett von 1934 ist ein Paradebeispiel für kammermusikalisch gefasste Italianità, in geglückter Verbindung mit der Farbigkeit und eingängigen Melodik hochwertiger Filmmusik. Der Kopfsatz, ein mystisch eingeleitetes Moderato, bietet ein weit gespanntes Panorama lyrischer und dramatischer Emotionen. Das Ensemble wird zeitweilig in sehr orchestraler Weise geführt; das Stück wandelt sich zudem des Öfteren in ein aufrauschendes Klavierkonzert – und dann darf man durchaus an Rachmaninow denken. Bilder aus alten Filmen voll großer Gefühle und Leidenschaften erscheinen vor dem inneren Auge, wenn man in diese verführerischen Klänge eintaucht. Im wunderschönen, melodisch betörenden Largo dürfen dann alle Instrument ihre Soli spielen, im Wechselspiel mit nahezu impressionistischen, irisierenden Klängen. Harte, jazzige Rhythmen des Klaviers eröffnen das kurze, effektvolle Finale. Da steckt viel vom Lebensgefühl der Zeit drin. Doch die Glitterwelt des Films wird unversehens zum Tanz auf dem Vulkan, nicht nur auf dem in Neapel beheimateten.

Gottfried Franz Kasparek

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