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Alfredo Casella: Serenata op. 46

Konzert I – Mittwoch, 26.09.2018, 20:00 Uhr, Theater in Kempten
Alfredo Casella (1883-1947): Serenata op. 46 (1927) für Klarinette, Fagott, Trompete, Violine und Violoncello

Alfredo Casella (Foto: Wikipedia, gemeinfrei)Der Turiner Alfredo Casella war der Spross einer Familie, die ihre musikalische Tradition bis in die Zeit Dantes belegen konnte. Der Vater war Cellist, die Mutter und erste Lehrerin Pianistin. Zum Mittelpunkt von Casellas Studien wurde allerdings Paris, wo er zu den Schülern Gabriel Faurés zählte und mit Ravel, Debussy und Enescu freundschaftlich verkehrte. Später unterrichtete der junge Mann selbst Klavier am Conservatoire und begann, sich intensiv für das Werk Gustav Mahlers einzusetzen. Erst im Ersten Weltkrieg kehrte er nach Italien zurück und wurde Lehrer am Liceo Santa Cecilia und 1933 an der gleichnamigen Akademie in Rom. Er war einer der bedeutendsten italienischen Pianisten seiner Zeit, aber auch als Dirigent, Kritiker und musikwissenschaftlicher Autor, zum Beispiel mit einem Buch über Strawinsky, sowie als Herausgeber von Barockmusik erfolgreich. Dem Faschismus stand Casella im Lauf der Zeit immer distanzierter und nur in Maßen pragmatisch gegenüber. Weltläufigkeit und Patriotismus waren für ihn kein Widerspruch, ebenso wenig wie die lebenslange Liebe zur Musik Mahlers und Strawinskys. Im Jahr 1944 schuf er die trotz ihrer harmonischen Strenge berührende Missa solemnis »Pro Pace«. Diese Friedensbitte blieb sein letztes Werk. Im März 1947 erlag er in Rom einem Krebsleiden.

Als Komponist wandte sich Casella nach spätromantischen Anfängen der italienischen Musik des 17. und frühen 18. Jahrhunderts zu, in welcher er die Vorbilder einer neuen nationalen Schule sah. Trotz etlicher Experimente mit der Zwölftontechnik blieb er einer im Grunde neoklassizistischen Ästhetik treu, verwandt mit jener Paul Hindemiths, aber geprägt von südlicher Farbigkeit und Rhythmik. So wurde er zu einem der wesentlichen Vertreter der »Generazione dell’ottanta«, der um 1880 geborenen Komponisten Italiens, neben Malipiero, Respighi, Petrassi oder Pizzetti. Es waren dies allesamt Musiker, die nach dem effektvollen Realismus und den gesanglichen Emotionen des Verismo neue Wege suchten, welche nicht mehr von der Oper dominiert sein sollten. Obwohl sie alle, auch Casella, ambitionierte Bühnenwerke schrieben. Doch war diese Tradition für sie nur ein Teil ihres Bestrebens, die Musik ihrer Heimat gleichzeitig zurück zu den Wurzeln und in eine klare, betont unsentimentale Zukunft zu führen.

Serenata op. 46 (1927) für Klarinette, Fagott, Trompete, Violine und Violoncello

Wer kennt heute noch außerhalb Italiens Casellas drei Symphonien oder seine reichhaltige Kammermusik? Die Serenata op. 46, im Jahr 1927 bei der Wiener Universal Edition erschienen, später auch für kleines Orchester bearbeitet, ist ein besonders schönes Beispiel für seine eigenständige Klangsprache. Dafür erhielt er, gemeinsam mit Béla Bartóks drittem Streichquartett, den ersten Preis der »Philadelphia Music Fund Society«. Auf einen spielerischen Marsch und ein nicht nur im Titel graziöses Menuett folgt ein erstaunliches, vieldeutiges Notturno, das in seiner sensiblen Chromatik und mit einer folkloristischen, unüberhörbar italienischen Trompetenmelodie eher formal als im Ausdruck an Mahler erinnert. Die witzig akzentuierte Gavotte, die diskret melancholische Cavatina und das schmissige Tarantella-Finale sorgen für allerbeste Unterhaltung.

Gottfried Franz Kasparek

 

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