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Giovanni Pacini: Oktett F-Dur

Konzert I – Mittwoch, 26.09.2018, 20:00 Uhr, Theater in Kempten
Giovanni Pacini (1796-1867): Oktett für Oboe, Fagott, Horn, drei Violinen, Violoncello und Kontrabass

Giovanni Pacini, Litho von Gaccini (Foto Wikipedia, gemeinfrei)Der im sizilianischen Catania geborene Giovanni Pacini war der Sohn eines toskanischen Bass-Buffos, studierte beim Kastraten Luigi Marchesi in Bologna Gesang und bei Padre Mattei Kontrapunkt. Schon als 17-Jähriger eroberte er als Komponist die Opernbühnen, auf welche er nach einem Misserfolg und einer Schaffenskrise 1840 mit seinen auch heute noch manchmal aufgeführten griechischen Tragödien »Saffo« und »Medea« noch erfolgreicher zurückkehrte. Sein Zeitgenosse Rossini schätzte ihn sehr. Stilistisch steht der geschickte Theatraliker und seriöse Melodiker Pacini zwischen Donizetti und Verdi. Er liebte schroffe Gegensätze und wurde als »Meister der Cabaletten« gefeiert. Daneben erwarb er sich Verdienste mit der Gründung privater Musikschulen in Viareggio und Lucca, verfasste Aufsätze zur Musiktheorie und eine Autobiografie. Er hinterließ etwa 75 Opern, 35 Oratorien, eine Menge Kantaten – und gewichtige Kammermusik, die hauptsächlich in seinen letzten Lebensjahren entstand.

Oktett für Oboe, Fagott, Horn, drei Violinen, Violoncello und Kontrabass

»Der der Kammermusik durch den sehr verehrten Professor Abramo Basevi (ein wahrer Mäzen und Kenner der Tonwissenschaft) und Herrn Guidis Unterstützung verliehene Impuls hat mich dazu veranlasst, mich dieser Musikgattung zu widmen und ich gestehe, dass es mir Freude gemacht hat«, ist in Pacinis Memoiren über seine späte Liebe zur »Musica da camera« zu lesen. Dieser Liebe Frucht sind sechs Streichquartette, drei Klaviertrios und ein Oktett. Letzteres existiert auch in einer eigenhändigen Bearbeitung als fünftes der Quartette. Vorbild war nicht Franz Schubert, wie man glauben könnte, sondern es waren »Hummel, Spohr, Mendelssohn und besonders Onslow«, auf die sich Pacini bezog. Also, wenn wir Mendelssohn einmal ausnehmen oder lediglich die schöne Oberfläche von dessen Musik betrachten, jene Meister der Salon-Virtuosität und der geistvollen Empfindsamkeit, die damals das Konzertleben viel mehr regierten als die heute im Vordergrund stehenden Genies der Wiener Klassik. Doch ist Pacinis bewundernswerte Aneignung dieser Stilistik nur zur »angenehmen Unterhaltung unter Freunden« und mit »dem Schmelz seiner mondänen Unbefangenheit« geschrieben, um den Herausgeber der modernen Erstausgabe zu zitieren? Ist es nicht vielmehr, wie Giovanni Carli Ballola weiter schreibt, »eine große künstlerische Gewissenhaftigkeit, eine überraschende Sicherheit, ein gewisses Draufgängertum … ohne Zuhilfenahme akademischer Mittel«, welche diese mit Fantasie und Innovationslust erfundene Musik zu einer höchst erfreulichen Begegnung werden lassen? In der Tat, »die Raffinesse einiger harmonischer Exkurse« verblüfft bei der Durchsicht der drei Sätze, denn sie geht über die Musizierlust eines typischen »Kleinmeisters« weit hinaus. Zwischen oft pfiffigen und lustvoll pointierten Allegro vivace-Ecksätzen steht ein gefühlvolles Largo – und all dies ist, bei aller einschmeichelnden Melodik und handfesten Dramatik, doch keine bloße Übertragung von Opernarien auf die Kammermusik. Pacinis Exkursionen ins Neuland führen direkt zu Verdis e-Moll-Streichquartett, welches 1873 die schönen Versprechungen des Vorgängers einlösen sollte.

Gottfried Franz Kasparek

 

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