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Bruno Maderna: Aulodia per Lothar

Konzert II – Donnerstag, 27.09.2018, 20:00 Uhr, Theater in Kempten
Bruno Maderna (1920-1973): »Aulodia per Lothar« (1965) für Oboe d’amore und Gitarre

Bruno Maderna 1963 (Wikipedia gemeinfrei)Bruno Maderna, Venezianer, unehelicher Sohn des Unterhaltungsmusikers Umberto Grossato, war ein Wunderkind, spielte schon mit sieben Jahren Violine im Orchester seines Vaters und dirigierte Opernkonzerte. Später nahm er den Namen seiner Mutter, Carolina Maderna, an. Als 20-Jähriger hatte er bereits ein Kompositionsdiplom in der Tasche, studierte aber weiter, vor allem Dirigieren bei Antonio Guarnieri in Siena und Komposition bei Gian Francesco Malipiero in Venedig. 1943 musste er für Mussolini in den Krieg ziehen, schloss sich aber gegen Ende des Kriegs antifaschistischen Partisanen an und geriet kurzfristig in deutsche Gefangenschaft. Im Jahr 1947 wurde er Dozent an der »Accademia Benedetto Marcello« in seiner Heimatstadt. Luigi Nono war sein liebster Schüler und bester Freund. Gemeinsam mit ihm lernte er in einem Dirigierkurs bei Hermann Scherchen die »Zweite Wiener Schule« und die Zwölftontechnik kennen. Ab 1949 wurden die »Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik« und die serielle Technik zu zentralen Inspirationsquellen seiner kompositorischen Arbeit; daneben machte er internationale Karriere als Dirigent. Mit Luciano Berio gründete er in Mailand ein Studio für elektronische Musik, mit Pierre Boulez leitete er in Darmstadt ein Kammerensemble. Ab 1963 hatte er seinen Wohnsitz in Darmstadt. In den 1960er-Jahren war Bruno Maderna einer der erfolgreichsten Verfechter der seriellen »Neuen Musik«, als Dirigent noch mehr denn als Komponist. Schon 1973 raffte ihn der Lungenkrebs hinweg. Kurioserweise erhielt er 1974 postum den »Beethovenpreis«. Er wurde zu einer Legende der Avantgarde, obwohl seine Werke nur selten aufgeführt werden, sieht man von der parodistischen Oper »Satyricon« (1973) nach Petronius einmal ab. Nach neoklassizistischen Anfängen wandte er sich in seiner Klangsprache intensiv der seriellen Musik zu, brach diese jedoch immer wieder durch Aleatorik auf. Seine Vision war das »offene Kunstwerk«.

»Aulodia per Lothar« (1965) für Oboe d’amore und Gitarre

»Aulodia per Lothar« für Oboe d’amore und Gitarre entstand 1965 in Darmstadt für den Kölner Oboisten Lothar Faber. Der Aulos, ein Vorläufer der Oboe, war ein altgriechisches Rohrblattinstrument mit ägyptischen Wurzeln, eine Aulodie ein vom Aulos begleiteter Gesang. Ob Maderna wusste, dass »aulodia« in der Sprache der indigenen Bevölkerung Hawaiis »vorbei« heißt? In seinem Stück »singt« jedenfalls die Oboe. Überraschende Einzeltöne unterbrechen immer wieder die gesangliche Linie, mitunter von der gezupften oder geschlagenen Gitarre unterstützt. Gegen Ende zerfällt das melodische Gespinst immer mehr in kurze Floskeln. Die Oboe hat das letzte, lapidare Wort.

Gottfried Franz Kasparek

 

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