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Gian Francesco Malipiero: Sonata a tre für Klaviertrio

Konzert IV – Samstag, 29.09.2018, 20:00 Uhr, Theater in Kempten
Gian Francesco Malipiero (1882-1973): »Sonata a tre« (1926/27) für Klaviertrio

Gian Francesco Malipiero (Wikipedia it Pubblico dominio)Malipiero liebte Marcel Prousts epische Romanreihe »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« und beschäftigte sich mit der Literatur von James Joyce, bewunderte die klanglichen Innovationen Claude Debussys und fühlte sich doch zutiefst der venezianischen Musik des 17. und 18. Jahrhunderts verpflichtet. So findet man in seinen Stücken häufig eine originelle Mischung, gespeist aus dem wachen Bewusstsein eines Musikers, der durchaus offene Ohren für die Moderne hatte, und seinem in der Vergangenheit wurzelnden ästhetischen Credo. Die »Sonata a tre« ist dafür ein schönes Beispiel. Die Form der barocken Triosonate wird sehr frei verwendet, vor allem sind der erste und der zweite Satz eigentlich Sonaten für sich, nämlich solche für Violoncello und Violine mit Begleitung des Klaviers. Erst im dritten Satz treffen alle drei Instrumente aufeinander. Der erste Satz mit der neutralen Bezeichnung »Primo tempo, per violoncello e pianoforte« wirkt wie eine spannungsvolle Fantasie mit leisen Nachklängen der Romantik. Auch die Violine im zweiten Satz, »Secondo Tempo«, darf sich in Verzückungen spielen, die durch den lapidaren Klaviersatz relativiert werden. Die neue Sachlichkeit eines Paul Hindemith ist zeitlich und harmonisch nahe, im lyrischen Ausdruck jedoch so weit entfernt wie die Farben eines Sees im Schwarzwald von jenen der Lagune von Venedig. Als frohgemute, beschleunigte Spielmusik beginnt das Trio im Finalsatz, »Ultimo Tempo«. Bald gerät das Klavier mit nachdenklichen, entfernt an Jazzrhythmen erinnernden Passagen in den Vordergrund, ja bleibt allein, bis sich die Streicher zunächst witzig meckernd einmischen und schließlich die Melodieführung übernehmen. In brillanter, jäh stillstehender »Dreisamkeit« endet das inspirierte Stück.

Gottfried Franz Kasparek

Mehr zur Vita von Gian Francesco Malipiero finden Sie hier …

 

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