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Ennio Morricone: Vivo

Konzert IV, Samstag, 29.09.2018, 20:00 Uhr, Theater in Kempten
Ennio Morricone (*1928): »Vivo« (2001) für Streichtrio

Ennio Morricone 2012 in Cannes (Foto: Wikipedia, gemeinfrei(Der Römer Ennio Morricone ist einer der erfolgreichsten Filmmusik-Komponisten überhaupt. Bis zu 20 Filmpartituren lieferte er in seinen besten Zeiten alljährlich. »Spiel mir das Lied vom Tod«, die Titelmelodie zu Sergio Leones Italowestern-Klassiker von 1969, zählt zu den größten Hits des 20. Jahrhunderts. Das neobarocke Pathos dieser Musik weist darauf hin, dass ihr Schöpfer weitaus mehr ist als ein guter Gebrauchsmusiker. Als Zehnjähriger hatte er 1938 ein Trompetenstudium am Conservatorio di Santa Cecilia begonnen. Als Jugendlicher spielte er in römischen Hotels für amerikanische Besatzer, begann erste Arrangements von Jazz-Standards und Liedern für das Radio zu schreiben und studierte schließlich ganz ernsthaft Komposition bei Goffredo Petrassi. Daneben arbeitet er schon als »Ghostwriter« für das Kino. Was damals unter seinem echten Namen veröffentlicht wurde, war Musik in kreativer Nachfolge des Klassizismus seines Lehrers und der Schönberg-Schule. Im Jahr 1958 nahm er an den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik teil, an der Seite eines Luigi Nono, eines John Cage. Doch der Zauber des Films, der im Italien jener Jahre eine wahre Blütezeit zwischen Neoverismo, Gesellschaftskomödie und Italowestern erlebte, lockte ihn mehr als die elitären Räume der gestrengen seriellen Avantgarde. Er begann, als Ennio Morricone für seinen ehemaligen Klassenkameraden Sergio Leone Soundtracks zu schreiben. Wie sein großer Hollywood-Vorgänger Erich Wolfgang Korngold verfasste er komplette Orchesterpartituren. Zum Arrangieren war er sich freilich auch nicht zu schade. Nicht nur für die melodramatischen Filmballaden von Leben, Lieben und Tod im wilden Westen, auch für das progressive, sozialkritische »Cinema« eines Pier Paolo Pasolini fand er die richtigen Töne. Hollywood versicherte sich ebenfalls seiner Dienste. Kurios ist, dass er nie einen Oscar bekam. In einem Rundfunk-Interview meinte er in den 1990er-Jahren: »Wer fragt heute noch danach, zu welchen Anlässen Antonio Vivaldi seine unzähligen Konzerte komponiert hat? Die Musik ist geblieben – und darauf hoffe ich auch.«

»Vivo« (2001) für Streichtrio

Neben der unzähligen Filmmusik existiert aus dem Jahr 1994 ein 72 Stücke umfassender »klassischer« Werkkatalog des Ennio Morricone, darunter viel Ensemble- und Kammermusik, die kaum gedruckt vorliegt. Meist handelt es sich dabei um Jugendwerke. Das Streichtrio »Vivo« stammt allerdings aus dem Jahr 2001 und ist ein Auftragswerk der »Accademia Filarmonica Romana«, in deren Räumlichkeiten auch am 7. Juli 2001 die Uraufführung durch das Ensemble »Gruppo Strumentale Musica d’Oggi« stattfand. Das Stück ist dem Andenken des sizilianischen Komponisten Francesco Pennisi (1934 – 2000) gewidmet, der zu den Gründern des für Morricones Musikverständnis wichtigen Ensembles »Nuova Consonanza« gehörte. Pennisi war ein Anhänger der Zweiten Wiener Schule und der Dodekaphonie, was sich auch in Morricones kunstvollem Vivace-Satz bemerkbar macht.

Gottfried Franz Kasparek

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