skip to Main Content

Luigi Boccherini: ›Fandango‹ aus dem Quintett D-Dur G 448

Festivalauftakt – Konzert der Sponsoren, Sonntag, 23.09.2018, 19:00 Uhr, Theater in Kempten
Luigi Boccherini (1743-1805): »Fandango« aus dem Quintett D-Dur G 448 für Gitarre und Streichquartett

Luigi Boccherini, Gemälde von Pompeo Batoni (Wikipedia, gemeinfrei)Aus Lucca, der toskanischen Heimat vieler genialer Musiker (zum Beispiel Francesco Geminiani, Alfredo Catalani und Giacomo Puccini), stammte Luigi Boccherini. In Italien und Paris machte er Karriere als Cello-Virtuose, ehe er sich 1769 an den Königshof von Madrid begab, den er bis zum Tod 1805 kaum mehr verlassen hat. Boccherini, neben Joseph Haydn einer der »Väter des Streichquartetts« und der wesentliche »Vater des Streichquintetts«, hat im Gegensatz zu den Wiener Klassikern seinen einmal gefundenen, betont musikantischen Stil nie verändert; vielleicht, weil er am Rande der Musikwelt lebte, eher, weil er in dieser eigentümlichen Sprache alles ihm Wesentliche ohnehin sagen konnte. Gegen Ende seines Lebens geriet er in Vergessenheit. Rastlos komponierte er bis zum Schluss und hinterließ ein gewaltiges Œuvre, darunter nur ein Bühnenwerk (eine fröhliche Zarzuela!), aber viel schöne geistliche Musik, beachtenswerte Symphonien und mehr als zweihundert Stücke feiner Kammermusik.

»Fandango« aus dem Quintett D-Dur G 448 für Gitarre und Streichquartett

Die Gitarre gehört zu den populärsten Instrumenten überhaupt und wurde lange Zeit nicht als vollwertig »klassisch« anerkannt. Das mag – nach einer eher lokalen Blüte im italienischen Rokoko – an der starken folkloristischen Prägung liegen, vor allem aber an der Tatsache, dass sich das unverstärkte Instrument im immer größer werdenden klassisch-romantischen Orchester akustisch nicht behaupten konnte und fast nur mehr (und auch das selten) als Begleit- und Stimmungsmittel auf der Opernbühne eingesetzt wurde. Im Bereich der Kammermusik trifft das Problem der Hörbarkeit freilich nicht zu; aber trotz der Pionierarbeit eines Paganini oder der Spanier Sor und Tarrega entdeckten die großen Komponisten der Klassik und des 19. Jahrhunderts die Gitarre kaum jemals für sich. Eine – bedingte – Ausnahme stellen neben Raritäten wie Schuberts Bearbeitung eines Stücks seines Zeitgenossen Matiegka nur die acht erhaltenen Gitarrenquintette von Luigi Boccherini aus den 1790er-Jahren dar, die ursprünglich Klavierquintette waren. Der Komponist wurde zu dieser Umarbeitung von einem Gönner und Mäzen, dem Marquis Benavente, angeregt. Der adlige Herr war, wie damals häufig, ein Amateurmusiker professionellen Standards und ein Vorkämpfer seines Instruments, der Gitarre. Das berühmteste dieser Werke ist das Quintett Nr. 4 G 448 in D-Dur, genannt »Fandango-Quintett«. Boccherini, trotz zunehmend tragischer Lebensumstände – er verarmte und verlor seine Familie – an seinem liebenswerten Stil wie an einer geträumten »besseren Welt« festhaltend, vielleicht sich festklammernd, arrangierte nicht nur den Klaviersatz, sondern setzte die Gitarre feinfühlig, fantasievoll und dem Instrument gerecht werdend ein. Das grandiose Finale, »Grave assai Fandango«, ist eines der frühesten Beispiele effektvoller Verwendung spanischer Folklore in der Kunstmusik. Das Sistrum, ein Tamburin-ähnliches Schlaginstrument arabischer Herkunft, und Kastagnetten schaffen zusätzliches südliches Kolorit. Mit archaischer Kraft reißt der sinnliche, lebensfrohe Satz unwiderstehlich mit.

Gottfried Franz Kasparek

 

Back To Top