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Luigi Cherubini: Streichquintett in e-Moll

Konzert IV – Samstag, 29.09.2018, 20:00 Uhr, Theater in Kempten
Luigi Cherubini (1760-1842): Streichquintett e-Moll (1837)

Luigi Cherubini, Gemälde von Jean-Auguste-Dominique Ingres (Foto: Wikipedia gemeinfrei)Er wurde als Florentiner geboren und starb als Pariser. Als Luigi Cherubini 1760 das Licht der Welt erblickte, war Mozart gerade vier Jahr alt. Als er sich 1842 von der Welt verabschieden musste, war Beethoven schon 15 Jahre tot. Cherubinis Lehrer, Giuseppe Sarti, war ein Vertreter der neapolitanischen Schule. Die ersten zehn Opern des Schülers erzielten lokale Erfolge, aber waren bald wieder vergessen. Zum Erweckungserlebnis wurde die Begegnung mit den Reformopern Christoph Glucks und der französischen Tragédie-lyrique. Seit 1787 lebte Cherubini in Paris, war Kapellmeister der Italienischen Oper, überlebte die Revolution mit Glück und durch Anpassung, unterrichtete ab 1795 am Conservatoire, vertrug sich schlecht mit Napoleon und erlangte erst 1816 die Würde eines Professors für Komposition. 1821 wurde er Direktor des Instituts und prägte eine Ära. Beethoven hielt ihn für einen der größten Komponisten. Berlioz verehrte und fürchtete ihn. Cherubinis bleibender Welterfolg ist »Médée« nach Euripides und Pierre Corneille. Musik von eherner Größe und archaischer Leidenschaft. Das Orchester ist an Mozart und Haydn geschult. Seit 1797 ist die mehr Gluck als den Italienern folgende Tragödie Bestandteil des Repertoires. Neben dem Medea-Drama tauchen hin und wieder auch die in Polen angesiedelte Rettungsoper »Lodoiska« und die Pariser Komödie »Le deux journées«, früher in deutschen Landen als »Die Wasserträger« sehr beliebt, auf Spielplänen auf. Die letzte von Cherubinis 37 Opern, »Ali Baba«, kam 1833 heraus. Nach 1810 wandte sich Cherubini jedoch immer mehr der geistlichen Musik zu, die er mit gleich zwei Requiem-Vertonungen (1816 und 1836) dauerhaft bereicherte. Ebenso spät erwachte sein Interesse an Kammermusik. Zwischen 1813 und 1837 entstanden sechs Streichquartette. Über die Robert Schumann schrieb, man müsse »sich mit dem besonderen Geist dieses, seines Quartettstyles erst befreunden«, es sei »nicht die trauliche Muttersprache«. Und weiter: »… es ist ein vornehmer Ausländer, der zu uns spricht. Je mehr wir ihn verstehen lernen, je höher wir ihn achten müssen.«

Streichquintett e-Moll (1837)

Luigi Cherubinis einziges Streichquintett, wahrscheinlich ohne genauere Kenntnisse der Stücke Mozarts und Beethovens geschrieben, ist seine letzte größere Komposition und entstand zwischen dem 30. Juli und dem 29. Oktober 1837. Ziemlich sicher kannte er etliche der unzähligen Quintette Luigi Boccherinis und George Onslows, von denen er die Besetzung mit zwei Celli übernahm, ging aber einen sehr eigenwilligen Weg. Das Quintett strotzt, wie schon die Quartette, vor kunstvollster motivischer und kontrapunktischer Arbeit. Dass es dabei nicht akademisch trocken wirkt, sondern inspiriert und in der Tat vornehm, macht die Besonderheit des Komponisten Cherubini nicht nur in seiner Kammermusik aus. Schon der erste Satz verblüfft zudem mit experimentellen Wechselspielen der Tonarten und sehr origineller Kunst der Veränderung kleinster Floskeln – man könnte an Brahms und Reger denken, wäre nicht doch südliches Licht dahinter verborgen. Und käme da nicht als zweiter Satz ein wundersam gesangliches Andante mit einer weit atmenden Melodie, präsentiert von den Celli und nicht allzu verästelt verarbeitet. Typisch allerdings, dass dem relativ kurzen Andante ein mehr als doppelt so langes, sehr kleingliedriges Scherzo folgt. Das einleitende Unisono macht allerdings gehörig Effekt und in weiterer Folge gelingt dem Komponisten ein Spagat, der an Mozart erinnert: Die formale Kunst verbindet sich zwingend mit volkstümlicher Melodik. Das Allegro-Finale erfreut mit seinem eingängigen Hauptthema und harmonischen Überraschungen, zum Beispiel einer zunächst sehr schulmäßigen anmutenden Durchführung, die jäh abbricht und einem in sich ruhenden Larghetto weicht. Am Ende steht vitale Energie.

Gottfried Franz Kasparek

 

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