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Leone Sinigaglia: Serenade D-Dur op. 33

Festivalauftakt – Konzert der Sponsoren, Sonntag, 23.09.2018, 19:00 Uhr, Theater in Kempten
Leone Sinigaglia (1868-1944): Serenade D-Dur op. 33 für Streichtrio

Leone Sinigaglia (Foto: IMSLP, CC BY-SA 4.0)Der Turiner Leone Sinigaglia entstammte dem assimilierten jüdischen Bürgertum Italiens. Er liebte von Kindheit an die Musik und die Natur und studierte zunächst in seiner Heimatstadt Komposition bei Giovanni Bolzoni. Ab 1888 bereiste er Europa, ließ sich 1894 für etliche Jahre in Wien nieder, wo er Brahms kennen lernte, sich für dessen »absolute Musik« begeisterte und bei Eusebius Mandyczewski sowie ab 1900 bei Antonín Dvořák in Prag sein Musikstudium vervollkommnete. Bessere Lehrer konnte man damals kaum finden. Erste Erfolge, zum Beispiel mit dem Violinkonzert op. 20, stellten sich bald ein. Klassische Technik und romantische Empfindung verband Sinigaglia mit größtem handwerklichen Können zu einer persönlichen Klangsprache. Er widmete sich nahezu vollkommen der Orchester- und Kammermusik. Ab 1900 zählte er zu den wohlbekannten und gern gespielten Komponisten seiner Zeit. Dirigenten wie Arturo Toscanini und Wilhelm Furtwängler setzten sich für seine Werke ein. Daneben erforschte er, ähnlich wie Béla Bartók am Balkan, die Volkslieder seiner piemontesischen Heimat. Alte Weisen, die nur mündlich überliefert wurden, ließ er sich von Bäuerinnen und Bauern in der Hügellandschaft rund um Turin vorsingen, notierte sie und verarbeitete sie auch in Orchestersuiten. Sinigaglias folkloristische Sammlungen erschienen von 1912 bis 1927 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig. Im Zweiten Weltkrieg starb er in tragischer Weise. Nach der Okkupation Turins durch die Nazis 1944 sollte der 75-Jährige in ein Arbeitslager in Deutschland verschickt werde. Im Augenblick seiner Gefangennahme erlag er einer Herzattacke.

In seiner Jugend war Sinigaglia ein berühmter Alpinist, ja gilt bis heute als ein Vorbild der Bergsportler nicht nur seines Landes. Unter anderem hat er den Monte Cristallo in den Dolomiten erstbestiegen. 1898 wurde sein Buch mit Erinnerungen an das Bergsteigerleben in den Dolomiten sogar in englischer Sprache veröffentlicht. Leone Sinigaglias gehaltvolle Musik geriet nach 1945 dagegen nahezu in Vergessenheit. Erst 2012 erschien in Italien eine Monografie über sein Leben und sein musikalisches Schaffen.

Serenade D-Dur op. 33 für Streichtrio

Die Serenade für Streichtrio op. 33, verlegt bei Breitkopf 1908, steckt »voller origineller Ideen und ist außerordentlich gut für die drei Instrumente geschrieben« – da muss man nach dem Studium der Partitur dem legendären Musikwissenschaftler Wilhelm Altmann Recht geben. Auch was die »Klarheit und den Charme« des ersten Satzes mit seinem »wunderschönen zweiten Thema« betrifft. Das Intermezzo verbreitet fröhliche Stimmung, die gefühlvolle »Egloga« beinhaltet ein spritziges Scherzo im Mittelteil. Eine antike Ekloge ist eigentlich ein ausgewähltes, besonderes Gedicht; der Komponist meinte damit wohl in humanistischer Tradition eine Idylle. Ein effektvolles, heiteres Capriccio beendet das liebenswerte, im besten Sinne musikantische Stück.

Gottfried Franz Kasparek

 

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