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Niccolò Paganini: Terzetto op. 66 MS 69

Konzert V – Sonntag, 30.09.2018, 17:00 Uhr, Theater in Kempten
Niccolò Paganini (1782-1840): Terzetto op. 66 MS 69 für Gitarre, Violine und Violoncello

Niccolo Paganini, Bild nach Paul-Pommayrac (Foto Wikipedia, gemeinfrei)Niccolò Paganini, der sich übrigens immer Nicolo schrieb, ist eine der größten Legenden der Musikgeschichte. Der Teufelsgeiger, der Frauenverführer, der Operettenheld – Franz Lehár hat ihn, nebenbei bemerkt, gar nicht so falsch als Fanatiker seiner Kunst und im Grunde einsamen Menschen gezeichnet. Denn die Kunst war tatsächlich sein Leben und ließ daneben Platz nur für flüchtige Abenteuer. Mag sein, dass Paganini, einer der ersten wirklichen Weltstars, sein dämonisches Aussehen und Auftreten bewusst pflegte – gute Werbung konnte noch nie schaden. Doch hinter dieser Maske verbirgt sich ein ernsthafter Musiker und beachtlicher Komponist. Das Violingenie aus Genua war übrigens zeitweilig wirklich und nicht nur in der Operette Musikdirektor in Lucca. Aber vor allem war er ein oft rastlos durch Europa reisender und mit seinem charismatischen, technisch wagemutigen, vor keiner Schwierigkeit zurückscheuenden und diese alle meisternden Spiel Maßstäbe setzender Solist und Kammermusiker. Und zwar nicht »nur« auf der Geige. Mit großer Virtuosität spielte Paganini auch die Viola und war einer der besten Gitarristen seiner Zeit.

Terzetto op. 66 MS 69 für Gitarre, Violine und Violoncello

Die 24 Capricci des Niccolò Paganini sind das »Neue Testament« aller Geigerinnen und Geiger, wie J. S. Bachs Sonaten und Partiten das »Alte« sind. Die Violinkonzerte werden immer wieder gespielt, ebenso manch tolle Zugabenstücke. Eher selten begegnet man Beispielen aus Paganinis erstaunlich reichhaltiger Kammermusik. Das Terzetto für Violine, Gitarre und Violoncello stammt aus dem Jahr 1833 und diente vor allem dem Gitarrevirtuosen Paganini. Dies zeigt sich daran, dass die Gitarre aus dem Rahmen eines Begleitinstruments deutlich hervortritt und mit dem zweiten Thema des Kopfsatzes und dem Trio im finalen Rondo arienhafte Perioden zu gestalten hat. Überhaupt ist das kostbare Stück vom Liedhaften bestimmt, immer auf der Kippe zwischen klassischem Erbe und feiner romantischer Salonmusik. So hat das Menuett etwas gemütvoll Biedermeierliches und das Andante verströmt elegante Lyrik. Die Melodien des Stücks würden wohl heute in jeder Hitparade sofort Spitzenplätze erreichen, werden jedoch mit harmonischen Können und bestem Geschmack verarbeitet.

Gottfried Franz Kasparek

 

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