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Saverio Mercadante: Polka für Flöte, Oboe, Streichquartett und Klavier

Festivalauftakt – Konzert der Sponsoren, Sonntag, 23.09.2018, 19:00 Uhr, Theater in Kempten Saverio Mercadante (1795-1870): »Polka« für Flöte, Oboe, Streichquartett und Klavier (um 1815) Saverio Mercadante, Gemälde von Andrea Cefaly (Wikipedia gemeinfrei) Der aus Altamura in Apulien stammende Saverio Mercadante war ein uneheliches Kind aus ärmlichen Verhältnissen und wurde zum letzten bedeutenden Vertreter der neapolitanischen Schule, die vor allem eine innovative Blütezeit der Oper und des Oratoriums im 18. Jahrhundert war. In Neapel studierte der begabte Junge auch, von 1808 bis 1816, unter anderem bei Niccolò Zingarelli, und zwar nicht nur Harmonielehre und Kontrapunkt, sondern auch Violine, Cello, Fagott, Klarinette und Flöte. Ein wahrer Multiinstrumentalist, konzentrierte er sich zunächst auf die Laufbahn eines Kapellmeisters, wurde von Rossini geschätzt und hatte 1819 seinen ersten großen Erfolg als Opernkomponist, den er 1821 mit der triumphalen Premiere von »Elisa e Claudio« an der Scala di Milano festigte. Eine Zeit lang wirkte er als Musikdirektor am Teatro San Carlo, später in Madrid und Lissabon sowie an der Kathedrale von Novara, dazwischen unternahm er Konzertreisen und wurde schließlich 1840 Direktor des Konservatoriums in Neapel, was er bis zu seinem Tod 1870 blieb. Mit mehr als 60 Opern eroberte er die Bühnen Europas. Mercadante gilt als wesentliches Bindeglied in der Geschichte der italienischen Oper zwischen den Belcanto-Maestri Rossini, Bellini und Donizetti und der »parola scenica« des Giuseppe Verdi, in dessen Schatten er gegen Ende seines erfolgreichen Lebens geriet. Heute begegnet man auf der Bühne hin und wieder noch seinem Meisterwerk „Il Giuramento“ (1837) – und bei Raritäten-Festivals wie im irischen Wexford oder im italienischen Martina Franca zeichnet sich eine gewisse Renaissance des Opernschaffens Mercadantes ab. »Polka« für Flöte, Oboe, Streichquartett und Klavier (um 1815) Kaum zu glauben, dass dieser geradezu besessene Musikdramatiker und »Maestro di Cappella« Zeit fand, gehaltvolle und melodisch inspirierte Instrumentalmusik zu schreiben. Allerdings fand er diese Zeit großteils vor seinen ersten Erfolgen auf der Bühne. Sein liebstes Instrument war offensichtlich die Flöte, die in der italienischen Oper oft eine wichtige Rolle spielt, besonders wenn es darum geht, den virtuosen Koloraturen einer Primadonna zu sekundieren. Zwischen 1813 und 1820 komponierte Mercadante nicht weniger als fünfzehn Flötenquartette und sechs Flötenkonzerte, deren zweites sein meistgespieltes Stück ist. Im ersten Konzert, dem op. 49 eines 18-Jährigen, und im vierten gibt es ebenso mitreißende wie kunstvolle Finalsätze namens »Polacca brillante«. Sätze im Rhythmus polnischer Volkstänze, im Polacca-Fall dem der Polonaise, waren seit den Suiten des Hochbarock geläufig. Die Polka wurde zwar später in der böhmischen Variante noch populärer, ist jedoch zweifellos ebenfalls polnischen Ursprungs. Mercadantes aparte »Tre Polke« sind nicht im zeitlichen Umfeld der Konzerte anzusiedeln, sondern vermutlich erst um 1850 für häusliche Unterhaltungen mit des Komponisten tanzenden Töchtern entstanden. Ihre eigentümliche Besetzung mit Flöte, Oboe, Streichquartett und Klavier ist für Aufführungen im Salon gedacht. Gottfried Franz Kasparek

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